Geschichte der Freiwilligen Feuerwehr Sittensen
Schon vor der Gründung der Freiwilligen Feuerwehr existierte in den beiden selbständigen Gemeinden Groß und Klein Sittensen eine Pflichtfeuerwehr. Hierzu war gemäß der Feuerlöschverordnung des Amtes Zeven aus dem Jahre 1825 jeder männliche Bürger im Alter von 16 bis 60 Jahren eingeteilt. Doch durch die mit Stroh gedeckten Häuser kam es zu vielen Großbränden, denen die Pflichtfeuerwehren hilflos gegenüber standen.

Großes Löschmanöver beim Verbandsfest in Sittensen 1930
1890 kam es zu einem Großfeuer auf dem Anwesen von Diedrich Pape in der Lindenstraße. Hierbei wurden die Pflichtfeuerwehren von der 1879 gegründeten Freiwilligen Feuerwehr Scheeßel unterstützt. Dieses Ereignis gab den Anstoß zur Gründung einer eigenen Freiwilligen Feuerwehr. Am 30. August 1890 trafen sich 37 Einwohner der beiden Dörfer Groß und Klein Sittensen. Sie beschlossen eine Satzung mit 21 Statuten und gründeten den Feuerlöschverband Groß und Klein Sittensen. Zum ersten Hauptmann wurde Casper Klindworth gewählt. Zur Anschaffung der ersten Geräte wurde ein Spendenaufruf gestartet, dem zahlreiche Bürger folgten. Insgesamt kamen 618,50 Reichsmark zusammen. Davon konnte man eine Abprotzspritze mit Unterwagen und 300m Schlauch beschaffen sowie einen Stall als Gerätehaus anmieten.
1898 verstarb Hauptmann Casper Klindworth. Zum neuen Hauptmann wurde der Schuhmachermeister Hinrich Bredehöft gewählt. Das erste Spritzenhaus stand auf dem Gelände von Klempner Baden, Am Markt 2, das jetzt dem Malermeister Detlef Henkis gehört. Bei der 10. Jahreshauptversammlung im Jahre 1900 wurde die Gründung einer Feuerwehrkapelle unter Leitung des 22jährigen Musikers Heinrich Kohl beschlossen. In ihrem ersten Jahr bestand die Kapelle aus sieben Musikern, doch schon bald vergrößerte sie sich.

Die Feuerwehrkapelle 1913
Die erste große Bewährungsprobe bestand die Wehr 1909. Am Abend des 5. August tobte sich ein schweres Gewitter über Sittensen aus. Gegen 21 Uhr setzte ein Blitzschlag den 48m hohen Glockenturm der Kirche in Brand. Er brannte bis auf die Grundmauern nieder. Jedoch gelang es unter Mithilfe der Spritzen aus Hamersen, Tiste, Kalbe, Groß und Klein Meckelsen sowie der Freiwilligen Feuerwehr Scheeßel, die 1606 erbaute Kirche zu retten.
1910 übernahm Mauermeister Diedrich Riepshoff das Amt des Hauptmannes. 1912 wurde neben dem Schulhof in der Königshofallee ein neues Spritzenhaus erbaut.
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Das Spritzenhaus in der Könighofallee kurz vor dem Abriß
Am 13. Januar 1913 wurde beschlossen, dass bei den 5 Kameraden, die ein Telefon besitzen, ein Brand zuerst gemeldet wird. Diese verpflichten sich, den nächsten Hornisten zu benachrichtigen bzw. sofort selbst Alarm zu blasen. Mit dem 1. Weltkrieg stand eine schwere Bewährungsprobe vor der Sittenser Wehr. 1915 waren bereits 42 Aktive im Kriegseinsatz, 7 davon kehrten nicht in die Heimat zurück. Nach dem Krieg begann ein neuer, zügiger Aufbau. 1930 wurde Bäckermeister Emil Bender neuer Hauptmann. Zwei Jahre später, 1932 baute man an das Spritzenhaus einen Steigerturm an, indem auch die nassen Schläuche zum Trocknen aufgehängt wurden. Im gleichen Jahr wurde auch die erste Motorpumpe angeschafft, eine Flader-Motorspritze mit Einachslafette. Sie existiert heute noch und befindet sich im Besitz der Freiwilligen Feuerwehr Heeslingen.

Handdruckspritze bis 1932 allein im Einsatz
1934 wurde die Freiwillige Feuerwehr in eine Feuerlöschpolizei umbenannt. 1938 übernahm der Landwirt Johann Behrens nach dem Tod seines Vorgängers das Kommando. Im gleichen Jahr erhielt die Wehr ihr erstes Fahrzeug, ein Gebraucht-LKW vom Typ Hansa-Lloyd mit Anhängerkupplung und zwei Sitzbänken für die Mannschaft. Im Jahre 1939 stand der 2. Weltkrieg vor der Tür, davon wurde auch der Dienst der Feuerwehr stark berührt. So wurden die einzelnen Spritzen auf verschiedene Ortsteile verteilt, um auch im Falle eines Luftangriffes immer einsatzbereit zu sein. Während des zweiten Weltkrieges kam es infolge von Bombenangriffen zu mehreren Großbränden. Dazu kamen noch mehrere Einsätze in Hamburg. Später wurde regelmäßig eine Brandwache durchgeführt. In einem Bericht über eine solche Wache heißt es: "Wache vom 21. und 22. August 1941 aus dem Bürgerhauptquatier: Der Feind flog weder bei Tag noch bei Nacht das Sittenser Gebiet an, die Wache setzte ihre Tätigkeit bis über den Bahndamm fort, überschritt um 01:15 Uhr die Ostebrücke und spähte bis zum Rande südlich des Dorfes vor. Der Brückenkopf östlich der Mühlenbrücke wurde planmäßig begangen. Um 03:30 Uhr kehrten wir unversehrt und ohne wichtige Ereignisse ins Quartier zurück." gez. J. Carstens, H. Mühlenhaupt.
Da immer mehr Männer an die Front mußten, übernahmen ab 1943 zunehmend Frauen und Jungen der Hitlerjugend-Feuerwehr den Brandschutz in der Gemeinde.


Frauen bei der Ausbildung im Sommer 1944
Unmittelbar nach Kriegsende kam es zum Wiederaufbau der Wehr. Ab 1948 erfolgte auch der Wiederaufbau der Feuerwehrkapelle unter ihrem alten Kapellmeister Heinrich Kohl. 1952 gab Hannes Behrens sein Amt aus Altersgründen auf. Sein Amt übernahm Wilfried Burgdorf. 1956 nimmt die Sittenser Wettbewerbsgruppe am ersten Bezirkswettbewerb teil und belegt den 6. Platz. Zu dieser Zeit stiegen die Einsatzzahlen an, bedingt durch überörtliche Brandeinsätze und Einsätze auf der Autobahn A1. Nach einem neuen Löschgruppenfahrzeug LF 8 Ford erhielt die Wehr 1960 das erste Tanklöschfahrzeug, ein TLF 8 von Borgward.
Am 19./20. Juni 1965 feierte die Wehr ihr 75jähriges Jubiläum mit Wettbewerben, Tanz auf zwei Sälen und Kreisfeuerwehrtag. Im folgenden Jahr 1966 ging Ortsbrandmeister Wilfried Burgdorf in den Ruhestand und Wilhelm Drösemeyer wurde zu seinem Nachfolger gewählt. Im gleichen Jahr erhielt die Wehr ein neues LF 8s. Um das Fahrzeug unterzubringen wurde das alte Spritzenhaus in Eigenarbeit erweitert. 1969 kaufte die Wehr ein ausgedientes Bundeswehrfahrzeug und baute es in Eigenarbeit und mit Mitteln aus der Kameradschaftskasse zu einem SW 1000 um.

1970: Der neue SW 1000, der liebevoll auf den Namen Feuriger Elias getauft wird.
Im Oktober 1972 wurde darüber diskutiert, ob man eine Jugendwehr gründen solle oder nicht. Dies sei aber nur dann sinnvoll, wenn man den Nachwuchs nicht kontinuierlich in die Arbeit mit einbeziehen kann. Die Einsatzzahlen stiegen in den folgenden Jahren weiter an und die Ausrüstung wurde weiter verbessert. So erhielt die Wehr neben zahlreichen Gerätschaften unter anderem einen Hilfsrüstwagen, einen Geräteanhänger und ein Krad. Am 22.10.1974 fand ein "Tag der offenen Tür" beim Gerätehaus in der Königshofalle statt und die Sittenser Wehr beschloss die Brandschutzwoche. Ziel war es, durch vorbeugende Aufklärung den Brandschutz in Erinnerung zu bringen und bei der Bevölkerung ein großes Maß an Vertrauen zu ihrer Feuerwehr zu vermitteln. Einen Pulverlöschanhänger "Total PL 250" erhielt die Wehr am 18.12.1975. Der Anhänger soll vor allem bei der Bekämpfung von flüssigen Brennstoffen eingesetzt werden. Der Pulverlöschanhänger kostete 7.000,00 DM und steht heute noch für Einsatzzwecke zur Verfügung. Im Kreis Bremervörde war die Feuerwehr zu diesem Zeitpunkt die meist beschäftigte Wehr, die auch oftmals mehrmals in einer Woche zu Einsätzten ausrücken mußte.
1976 wurde der Wehr das TLF 16/25 übergeben. Inzwischen war es im Spritzenhaus sehr eng geworden, so daß ein neues Feuerwehrhaus gebaut werden mußte. Die Wehr hatte bis dato (05.02.1978) den schwersten Einsatz zu fahren. Auf der Autobahn galt es in den Morgenstunden sechs Verletzte und einen Toten zu befreien. Am 20. Mai konnte die Wehr ihr neues Domizil im Kampweg beziehen das seit 1976 in Planung war.

Ortsbrandmeister Wilhelm Drösemeyer und der Fahrzeugpark vor dem neuen Feuerwehrhaus am 20. Mai 1978
1984 gab Wilhelm Drösemeyer das Amt des Ortsbrandmeisters an Gottfried Henkis ab. 1987 erhielt die Wehr vom Landkreis einen neuen RW 1. Im Herbst 1989 belegte die Wettbewerbsgruppe bei den erstmals ausgetragenen Leistungswettbewerben auf Landesebene in Celle einen hervorragenden 6. Platz.
Vom 23. bis zum 26. August 1990 feierte die Freiwillige Feuerwehr Sittensen ihr 100jähriges Jubiläum sowie das 90jährige Bestehen der Feuerwehrkapelle, die inzwischen von Willi Schröder geleitet wird. Er hatte dieses Amt von seinem Vater Walter übernommen. Bei diesem Anlaß wurde der Wehr ein neues LF 16/12 übergeben und das alte LF 8s an die FF Klein Meckelsen abgegeben. Der Geräteanhänger wurde zu einem Tragkraftspritzenanhänger umgebaut.Im folgenden Jahr 1991 wurde von der Freiwilligen Feuerwehr Zeven eine gebrauchte DL 18 gekauft. Im August 1992 wurden seit dem II. Weltkrieg erstmals wieder Frauen in den aktiven Dienst aufgenommen. Um den gestiegenen Einsatzanforderungen auf der Autobahn gerecht zu werden wurde 1994 der RW 1 an die Freiwillige Feuerwehr Scheeßel abgegeben und vom Landkreis durch den heutigen RW 1/GW-G 1 ersetzt. Nach Erreichen der Altersgrenze schied Ortsbrandmeister Gottfried Henkis 1996 aus dem aktiven Dienst aus und übergab sein Amt an den heutigen Ortsbrandmeister Horst Kollecker.
Vom 11. bis 13. August 2000 feierte das Blasorchester sein 100jähriges Bestehen. Im gleichen Monat wurde der 42 Jahre alte SW 1000 durch ein neues Fahrzeug ersetzt. In Zusammenarbeit mit Kameraden benachbarter Wehren der Samtgemeinde wurde am 9. Dezember 2000 eine Jugendfeuerwehr gegründet.

Das Orchester anläßlich des 100jährigen Jubiläums
Bei der jährlichen Mitgliederversammlung im August 2001 wurde berichtet, das die Wehr 81 mal in zwölf Monaten ausrücken musste. Wilhelm Holst schied aus Altersgründen als Stellvertretender Ortsbrandmeister aus. Sein Nachfolger wurde Werner Postels. Hauptbrandmeister Wilhelm Drösemeyer erhielt für 60 Jahre Mitgliedschaft das Ehrenabzeichen des weiteren entstanden durch Umbaumaßnahmen ein Lagerraum für Schaum- und Ölbindemittel, eine Atemschutzwerkstatt, ein neuer Umkleideraum mit rund 60 Spinden für die Einsatzkräfte, eine Samtgemeindekleiderkammer sowie ein zusätzlicher Eingang zum alten Schulungsraum.
Im Jahre 2002 verzeichnete die Wehr 90 Einsätze. Als besonderen Einsatz zählt das Hochwasser im Kreis Lüchow/Dannenberg Elbe in der Gemeinde Amt Neuhaus. 16 Kameraden- und innen sind mit der Kreisbereitschaft Zeven vom 19.08.-24.08. ins Hochwassergebiet gefahren und halfen dort die Deiche zu sichern. Für diese ehrenamtliche Arbeit erhielten sie als besonderen Dank eine Hochwassermedaille überreicht. Am 07.09. fand der"Tag der offenen Tür" statt. Anlss war das Neu- und Umgebaute Feuerwehrhaus in Sittensen und somit auch die offizielle Schlüsselübergabe an Ortsbrandmeister Horst Kollecker.
Im März 2004 wurde für die Jugendfeuerwehr ein neues, werbefinanziertes MTF beschafft. Bei einer Brandsicherheitswache versagte der Motor aus Altersgründen des ELW der Marke VW. Im Juni 2006 wurde der neue ELW 1 bei einer offiziellen Feier an die Feuerwehr Sittensen übergeben.
Im August 2008 bei der jährlichen Mitgliederversammlung trat der Ortsbrandmeister Horst Kollecker aus Altergründen nicht wieder zur Wahl an. Er übergab das Amt an seinen stellvertreter Werner Postels im Zuge dessen musst natürlich auch ein neuer Stellvertreter gewählt werden, das wurde der bisherige Zugführer Jürgen Stache. Bei den Funktionsträgern blieb es bis auf den Gerätewart alles beim alten. Claus Hauschild löste Kai Postels als Gerätewart ab.
Im April 2009 konnte das neue LF 20-16 von der Firma Schlingmann entgegengenommen werden und wurde in einer Offizielen Feierstunde übergeben. Es löst das 34 Jahre alte Tanklöschfahrzeug ab!

Bei der Übergabe an die Feuerwehr Sittensen.(Bild:Treffpunkt Sittensen)
Im September 2010 wurde die Opel Blitz Drehleiter DL 18 nach 19 Jahren im Dienst
der Feuerwehr Sittensen an das Feuerwehrmuseum Zeven übergeben.

Bei der Fahrzeugübergabe an das Feuerwehrmuseum Zeven.(Bild:Treffpunkt Sittensen)
Bei der jährlichen Mitgliederversammlung im August 2011 wurde berichtet, dass die Wehr zu 49 Einsätzen ausgerückt ist, weniger als im vor Jahr. Als Gerätewart wurde Claus Hauschild und der Sicherheitsbeauftragter Hans-Heinrich Behrens wieder gewählt. Als Schriftführer wurde Mario Baumgart neu gewählt. Beförderungen und Ehrungen wurden ebenfalls vorgenommen. Ortsbrandmeister Werner Postels beförderte Manfred Meyer und Torben Stemmann zu ersten Hauptfeuerwehrmännern, Oliver Michaelis zum Oberfeuerwehrmann und Andrea Michaelis und Fenna Gerken zu Feuerwehrfrauen. Durch den Gemeindebrandmeister Torben Henning wurde Marco Kollecker zum Oberlöschmeister befördert. Abschnittsleiter Peter Dettmer ehrte Andreas Koch und Jürgen Grimm für 25 Jahre Mitgliedschaft in der Feuerwehr und Hans-Hinrich Viebrock für 40 Jahre Mitgliedschaft. Der ehemalige Gemeindebrandmeister Arnold Hoppe wurde nach 44 Dienstjahren in die Altersabteilung verabschiedet.



